Dienstag, 12. Mai 2009

Asuncion von oben



Wohnturm "Faro del Rio"



Blick Richtung Sueden



Blick Richtung Norden


Vor unserem Interviewtermin mit dem Estanciero Ostermann galt es noch ein wenig die Zeit zu nutzen. Wir nahmen kurzerhand die Linie 12-1 entlang der Avenida Marshall Lopez Richtung Centro und stiegen irgendwo aus. Waehrend unseres Spaziergangs zur Innenstadt konnten wir ein bereits geplantes Fotomotiv verwirklichen. Am "Faro del Rio", einem 12-stoeckigem Wohn- und Geschaeftshaus fragten wir nach einer Knipsmoeglichkeit auf dem Dach. Nach den ueblichen buerokratischen Querelen (Wir mussten unsere Namen und Reisepassnummern vom oertlichen Portier notieren lassen) fuhren wir mit dem zustaendigen Hausmeister in das oberste Stockwerk.
Sehr nette Geste ueber den Daechern von Asuncion: Als ich unserem Dachbeauftragten eine Summe von 10.000 Garanies fuer seine Dienste zustecken wollte, lehnte er entschieden ab: "Ich helfe gerne, wenn jemand ueber mein Land berichtet".

Montag, 11. Mai 2009

Einblick in die Unterwelt



Der letzte Chaco-Tag: Heftige Gewitter
ziehen auf, aber kaum Regen



Der Beginn unseres Nightlife-Checks: "Carmelitas"



Posing...



Ziemlich gute Lifemusik im "Kilkennys":
Hardrock mit Cachaca-Elementen



Links neben Herrn Martens: eine bisher unentdeckte
Cousine von Michael Jackson,
Thomas stand neben Cher, ganz links:
Teresa, die uns netterweise durch die Nacht fuehrte


Koerpertuning par Excellance:
ein Silikon-Leopard



ohne Worte



Der Schoenheitswettbewerb des Lokalblattes Crónica im La Cubana
Wie wir soeben aus der Crónica erfahren: Die Gewinnerin spart ihren
Gewinn von 3.000 000 Guarani fuer einen weiteren chirurgischen Eingriff...

Bedrohliche Wolkenkulisse. - Nun hat es doch noch im Chaco geregnet, wenn auch zu spaet fuer die Ernte und zu wenig, um die "Tanques" zu fuellen. Vor vielen staendig zuckenden Blitzen war der Abendhimmel beinah staendig beleuchtet, die Wolkenkulisse wirkte bedrohlich. Aber aus dem grossen Regen wurde nur ein Schauerchen.

Viel Silikon. - Absolutes Kontrastprogramm in Asuncion. Wir wollen das Nachtleben kennen lernen: "Nachdem Ihr jedes Rind im Chaco persoenlich kennt, stelle ich euch die Viecher in der Hauptstadt vor", hatte uns Teresa versprochen, Ex-Frau und immer noch gute Freundin von Reinhold. Begleitet wurden wir ausserdem von dem franzoesischen Piloten Pierre, der in Bolivien und Peru eine Helikopterflotte betreibt und nach Asuncion gekommen ist, um Formalitaeten zu erledigen und die Schoenen der Nacht zu jagen. Die ersten Exemplare dieser Schoenen entdeckten wir auch gleich in unserem ersten Anlaufpunkt, dem Entertainment-Center "Carmelitas", eine Mischung aus Bochumer Bermuda-Dreieck und Oberhauener "Centro", wenn auch zwei Nummern kleiner. In der Open-Air-Lounge des "Sky" fielen uns der Modedesigner Robert Portillo und seine drei aufgeputzten Begeleiterinnen auf, letztere warfen sich sogleich in Pose, als Thomas seine Kamera zueckte. Als er sagte, dass wir eine natuerliche Haltung bevorzugen, entspannten sie sich augenblicklich.
Nach dem Besuch einiger Kneipen, Bars und der Disco "Canvas" (schoener Saal, biederes Publikum) sagte Teresa: "So, jetzt zeige ich euch den Asuncioner Submundo." Also die Unterwelt. Gemeint war das Freiluft-Lokal "La Cubana", wo sich laut Teresa "das Volk amuesiert". Die Befuerchtung, auf ein Lokal zu treffen, wo nach der Methode "100 Guaranies Eintritt - und einen Messerstich zum Abschied" verfahren wird, bewies sich zum Glueck als unbegruendet. Aber ein wenig halbseiden war es schon. Nach gruendlicher Leibesvisitation wurden wir herein gelassen - Thomas Fotoapparat musste im Auto bleiben, weil nur Fotografen der Zeitung "Crónica" zugelassen waren. Gerade rechtzeitig kamen wir um drei Uhr nachts noch zur Kroenung der Schoenheitskoeniginnen. Thomas fotografierte mit der kleinen Kamera von Pierre. Die "Bellezas" hatten schoene lange Beine und viel Schminke im Gesicht. Uebertroffen wurden sie noch von Freundinnen Teresas, die ausser Konkurrenz teilnahmen, aber die eine oder andere Verpflichtung wahrnehmen mussten. Extreme Farben, erstaunliche Rundungen, massives Make-up - und das alles mit der Unterstuetzung diverser kuenstlicher Mittel. Als Pierre, Thomas und ich voller Bewunderung auf den Hintern einer Frau im Leoparden-Hosenanzug starrten, sagte Teresa lakonisch: "Alles Silikon." Klar, dass wir uns mit diesen netten Damen gerne ablichten liessen. Und dann tanzten wir noch bis zum fruehen Morgen Cumbia, Cachaca und Samba.


Libertad versus Olimpia




Im Stadion "Defensores del Chaco"



Wir sassen natuerlich im Olimpia-Block...
(Zu Horsts Unbehagen, der es ja eher mit Cerro Porteño hat)



Endstand: 2:1 fuer Olimpia- fuer paraguayische
Verhaeltnisse schon eher viele Tore



Illegales Feuerwerk zu Beginn der 2. Halbzeit


Am naechsten Mittag zum Asado von Reinhold kreuzten Teresa, Pierre und zwei der schoenen Begleiterinnen des Mode-Designers Portillo auf. Waehrend wir nur auf unsere Rippchen blickten, gab es fuer sie nur ein Gespraechsthema: Wo und wie man was mit Silikon und sonstigen chirurgischen Einblicken korrigieren koennte. Wir hingegen dachten nur an das Fussballspiel Olimpia gegen Libertad, dass wir am Nachmittag im Estadio "Defensores del Chaco" sehen wuerden.

Samstag, 9. Mai 2009

Zurueck in Asuncion




Ola, que tal ?
Die letzten zwei Beitraege ueber die "Aquidaban" und den Estancias haben wir wie versprochen, mit weiterem Bildmaterial bestueckt.
Bitte schaut noch einmal rein- und die Kommentare nicht vergessen !!!
Wir freuen uns riesig, wenn wir beim naechsten Bloggen etwas zu lesen haben.

VASSO, HAPPY BIRTHDAY- ALLES, ALLES LIEBE ZUM GEBURTSTAG!!!
WIR FEIERN NACH !!!
XXX

Donnerstag, 7. Mai 2009

Erlebnis "Aquidaban"



Links oder rechts ? - Egal, jedenfalls erstmalig
zahlender Passagier eines NASA - (Chaco) Shuttles ;)



Das Hotel "Frances" in Concepcion



Patio des "Frances"



Die "Aquidaban"



Ladung fuer die Passage



Fachsimpeln zwischen Passagieren und Crew



Rio Paraguay am Abend



Aus der Sicht des Steuermanns



Die Waren der Marktfrauen unter Deck



Indianer auf dem "Sonnendeck" zwischen der Ladung



Endzeitstimmung am Kalkwerk



Kombuese, Bar und Speisezimmer
(inder Mitte hinten, werden gerade Empanadas frittiert)


Von Filadelfia nach Concepcion


Dank Manfred, dem Betreiber der Neulaender Pollo-Braterei vor dem Siemens-Supermercado, landen wir ueberpuenktlich am Busbahnhof von Filadelfia.
Nach der Verabschiedung unseres Chauffeurs mit seinem Mitsubishi-Pick Up wenden wir uns der hiesigen Busflotte zu.
Hier gilt es abzuwaegen, welche Linie bzw. welcher Bus wohin faehrt. Der Einsatz der Busse haengt vom Passagieraufkommen ab und wird von der privat betriebenen Agentur kurzfristig entschieden. Wir versuchen den Busfahrer dahingehend zu beeinflussen, das groessere, klimatisierte Modell fuer die Fahrt nach Concepcion auszuwaehlen. Wir erwaegen gar, 50.000 Guaranies springen zu lassen, um die Entscheidung in unsere Richtung zu lenken.
Etwa 20 Minuten hinter Fahrplan startet der Motor des groesseren, moderneren Buses.
Die Vorfreude auf eine gekuehlte Sechs-Stunden-Ueberlandfahrt hat sich als ueberfluessig herausgestellt, da keines der Busmodelle mit funktionierender Klimaanlage ausgestattet ist.
Die Fahrt nach Concepcion verlaeuft ohne besondere Vorkommnisse. Bis auf die obligatorischen Schlagloecher im Asphalt sowie einiger planmaessiger Stopps wird die Fahrt lediglich kurz verlangsamt, um einen Jaeger zu gruessen, der eine 60-kg-Wildsau nebst Schrotflinte auf seinem Fahrrad balanciert (leider ohne brauchbares Bild - Fotograf war kurz eingeschlafen).
Halali !!!

Concepcion

In Concepcion entscheiden wir uns fuer das 1903 erbaute Hotel "Frances".
Ein Ort, der noch den Geruch der Gruenderzeit verstroemt und mit seinem wunderbaren Innenhof ( Patio) zum Chillen und Biertrinken einlaedt.
Die dazugehoerige Piscina sieht sehr enladend aus, war zu unserer Ankunftszeit aber leider schon geschlossen.
Das alte Hotel Piscis, in dem die Familie Martens weiland angenehme Urlaubstage verbrachte, hat auch schon bessere Tage gesehen. Wir hatten Geruechte ueber eine moegliche Renovierung erfahren, aber die einzige Instandsetzung erfaehrt hier der Rasen, der seltsamerweise von einem Arbeiter gemaeht wird. Alles andere hingegen ist verlassen und gleicht einem Geisterhotel.

"Aquidaban"

Der Stolz der Rio-Paraguay-Flotte liegt am Hafen von Concepcion. Umgeben von tiefgruenen Wasserpflanzen, duempelt der Dampfer mit seinem geringen Tiefgang zwischen diversen Ruderbooten.
Gepackte Pferdekarren mit Krimskrams und Dingen, beladene "Kenton"- und "Star"- Motorraeder als auch einiges an Paraguayos bevoelkern das Ufer. Unser Domizil fuer die naechsten 30 Stunden wird mit all den Sachen beladen, die flussaufwaerts mehr oder weniger sehnsuechtig erwartet werden. Das Verhaeltnis der Ladeflaeche des Schiffes zur Tonnage, die sich noch auf den Uferanlagen befindet, scheint allerdings ein Ungleiches.

An Bord- zwischen "Camarotes" und "Camalotes"

Die tiefsten Tiefen der "Aquidaban" bestehen aus einem Ladedeck am Bug, darunter Laderraum im Bauch des Kutters. Der Passagierbereich (eigentlich ist alles Passagierbereich) setzt sich aus dem Unterdeck mit langen Bankreihen, Sanitarios im Heck sowie Obstverkaufsstaenden zusammen. Ueber je zwei Treppen gelangt man auf das naechst hoehere Deck mit Kombuese, "Speiseraum", wieder Sitzgelegenheiten, Haengematten in Zwischengaengen und den "Camarotes", 8 Kabinen fuer die Businessklasse, deren jeweils 4 qm dem Reisenden einen Hauch von Geborgenheit waehrend der Passage bieten.
Mit einiger Verspaetung verlaesst unser schwimmendes Hotel Concepcion.
Die nahenden Gerueche aus der Schiffskueche begleiten unsere erste Erkundung. Am Abfahrtstag gibt es "Sopa-So o", eine landestypische Tagessuppe zum Fruehstueck. Mit Broetchen.
Bis zum Schlafengehen lassen wir das Konglomerat aus Muettern, Kindern, in Haengematten schlafenden aelteren Herren, Bordproviant, schnatternde Enten in Jutesaecken und die Ruhe des breiten Flusses mit seinen dahintreibenden Inseln aus Wasserpflanzen, den "Camalotes", auf uns wirken.

Der Fluss und die Ankunft in Puerto Cassado

Nach zu vielen Bieren mit dem Anthropologen Danny aus Holland, dem Au Pair Martin und Patrocinio Deniz (Zaeunezieher auf Estancias) quaelt zumindest mich ein stechender Kopfschmerz.
Gegen Mitternacht wurden wir durch ploetzlich eintretende Regenschauer geweckt, die durch unsere glaslosen Kabinenfenster fegen und unsere Matrazen regelrecht waessern.
Die fruehen Morgenstunden sind angenehm ruhig an Bord. Ganz vorne am Bug des Schiffes, zwischenFahrraedern und Zaunteilen sitzend, kann man vergessen, dass die "Aquidaban" per Diesel betrieben wird. Eine Handvoll Indianer kauert noch zwischen Wassertanks und eingeschweissten Matrazen und zieht sich die Persenning der Ladung zurecht, um sich ein wenig vor dem Nieselregen zu schuetzen. Waehrend der Koch Paprika schneidet und angebratener Knoblauch die Luft verdichtet, laeuft die "Aquidaban" diverse Kalkwerke am Ufer des Rio Paraguay an. Waehrend der helle Rauch der Kalkproduktion ueber den Fluss weht, steigen neue Passagiere zu, dann andere aus - auch in dieser Reihenfolge, diverse Utensilien werden ueber die Holzplanken balanciert. In weiterem Verlauf bringt die Crew mit ihrem Beiboot noch Reisende zu ihren Zielorten, fuer uns wahllose Uferstellen, die des Nachts nur durch aufleuchtende Taschenlampen auszumachen sind. Parallel zu diesen Anlandungen kreuzt das Mutterschiff mit halber Kraft weiter. Gegen 14 Uhr erreichen wir planmaessig Puerto Casado. Noch von Bord aus koennen wir einen Teil der Familie Penner ausmachen, die trotz schlammigen Strassenverhaeltnissen puenktlich zum vereinbarten Treffpunkt gefunden hat. Chapeau!

Thomas

Von Pinup-Girls in fernen Ranchos



High Noon in La Rubia



Die glorreichen Vier



Peon



Der Spind eines Peon



Am Vorabend mit einem Knueppel erlegte Wildkatze (Pumito ? )


Peones, die von ihren Braueten trauemen

-Die Entfernungseinheit im Outback wird nach der Distanz zum Asphalt gemessen. Die Estancias, die wir am Samstag besuchten, waren etwa 90 km von der naechsten Teerstrasse und von der zivilisierten Welt entfernt. Bei dem knietiefen, mit Pulverstaub gefuellten Schlagloechern brauchte der Daewoo zweieinhalb Stunden. Die Peones in diesen Breiten wissen, was Einsamkeit ist. Ihre Familienangehoerigen leben im Osten des Landes, einige gut 700 km entfernt. "Wir vermissen unsere Brauete", sagen die jungen Kuhhirten und laecheln vertrauemt. Als Ersatz und Erinnerungsstuetze haben sie die Schlafraueme in ihrem Rancho mit Pinup-Girls beklebt. Am hauefigsten kommt das Motiv "Britney Spears" vor. Die Estancia heisst bezeichnenderweise "La Rubia", die Blondine.
Um 4.30 Uhr aufstehen, um 21 Uhr ins Bett - und dazwischen reiten, reiten, reiten. Doch von Schwermut keine Spur. Die kraeftigen Maenner in ihren "guardamontes" (Dornschutz-Leggins) und farbig gestreiften Zeltplan-Jacketts sind lebensfroh, humorvoll und immer zu einem Spaesschen aufgelegt. "Das ist unser Leben, und wir kennen nichts anderes", sagen sie pragmatisch.


Rasende Rancho-Reporter



Warten auf den naechsten Einsatz

Um das Staubpulvermeer zu ueberwinden, benoetigen wir kompakte Autos, am besten waeren natuerlich Off-Road-Wagen. Fuer die Fahrten innerhalb des Ortes schwingen wir uns auf eine Kenton und eine Honda 90. Mittlerweile gelten wir hier als die rasendenden Rancho-Reporter.

Spende fuer armes Deutschland




PK in der Nivacle-Kirche



Wasserversorgung am Brunnen



Spaziergaenger in Cayin o Clim

Am Sonntag besuchten wir das Indianerdorf Cayin o Clim, wo man mir die Gelegenheit gab, Gruesse aus der Heimat auszurichten. Die Gottesdienstbesucher entrichteten spontan eine kleine Spende. Die Kollekte in Hoehe von 50 Euro soll an ein Entwicklungshilfe-Projekt in Herne gehen (der Indianer-Pastor hofft, dass Muente und Michelle das Geld in Empfang nehmen - symbolisch natuerlich). Die Finanzkrise, die ganz Deutschland in ein tiefes Elend gestuerzt hat, laesst die Nivacle, Enhlet und Ayoreo voll Mitleid weinen.

Immer kreisen die Geier




Geierbaum

Bei solchen Verhaeltnissen kommt einem der Pleitegeier in den Sinn. Ueber "Neuland" schweben natuerlich vornehmlich Aasgeier. Einen vertrockneten Baum voll dieser schwarzen Voegel entdeckte Thomas auf dem Landstueck, das mir meine Mutter hinterlassen hat. Das verendete Rind, dass die Aashacker angezogen hat, gehoert meinem Schwager Hans und meiner Schwester Monika. Tote Rinder werde ich auch in Zukunft nicht zu beklagen haben - ich besitze leider weder Kuh noch Bulle, noch nicht mal einen haarlosen Ameisenbaeren.

Freitag, 1. Mai 2009

Termin beim OS von Neuland (Oberschulzen) und andere Begebenheiten



Indianer



...zwei Kaugummis, 1 Schachtel Lucky Strikes und ein Gewehr, bitte !



Strassenschild, Fernheim



Typische Geschaefte auf der Avenida Hindenburg



Horst Kaspar vor den Kuehltuermen der Molkerei Filadelfia



Tankstelle auf der Strecke Fernheim-Neuland



Hannes Kalisch mit seinem "Equipo", die Arbeitsgemeinschaft
mit der er die Enhlet Projekte realisiert



Indianische Familie nach einem Einkauf im Supermercado



Zwielichtiger Ort eines Mordfalls



Die legendaere Disco Galaxia



Mario und Valerian, die bislang einzigen Jungs
der"Pudding-Schule" in Neu-Halbstadt



Gedanken ueber die Strategien der Zukunft
Oberschulze Edwin Reimer im Interview


Der Finger stets am Abzug. - In der Discoteca "Galaxy" treffen sich am Wochenende die schraegsten Voegel aus dem mittleren Chaco. Meinungsverschiedenheiten werden nicht nur mit Argumenten ausgetragen. Der Fall liegt schon ein par Jahre zurueck, aber er ist noch lange nicht vergessen: Bei einer Feier in der "Galaxy" sagte ein junger Mann zu seinem Freund: "Komm doch mal kurz raus." Draussen zog er seine Pistole und naehte seinen Amigo um, weil der seine Schwester geschwaengert hatte und sich aus dem Staub machen wollte. Wie gesagt: Liegt lange zurueck - aber irgendwie liegt es immer noch in der Luft.

Filadelfia heisst Bruderliebe. - Von der Froemmigkeit der Stadtgruender ist auf der Hauptstrasse wenig zu spueren. Auf den betonierten Buergersteigen verkaufen fliegende Haendler raubkopierte Porno-Videos und in den Laeden nebenan kann man sich eine Schrotflinte kaufen, ohne den Ausweis vorzulegen. Wovon wir uns persoenlich ueberzeugt haben. Der Wilde Westen scheint gleich um die Ecke zu liegen.

Wie ein strenger Sheriff achtet Horst Kaspar darauf, dass kein Unbefugter die Molkerei "Coop" betritt. Der Supervisor laesst auch uns nicht eintreten, denn vor einiger Zeit gaben sich ein paar Maenner aus Uruguay als Reporter aus und entpuppten sich nachtraeglich als Spione von der Konkurrenz.

Naehen, backen, Kinder erziehen. - In der Haushaltsschule von Neu-Halbstadt lernt die Jugend des Chaco kochen, naehen, backen und Kinder erziehen. Die Chaco-Intelligenzia vermutet, dass in der Einrichtung Frauen fuer ein Leben am Herd und am Buegelbrett ausgebildet werden. Doch weit gefehlt: Die Schueler, die durchgehend die Mittlere Reife besitzen, werden von Grosskuechen, Gastronomieunternehmen und sozialen Einrichtungen abgeworben, bevor sie das
Abschlusszeugnis in der Hand halten. Mario Doerksen und Valerian Penner haben endgueltig alle Klischees, die ueber die "Tortilla-Universitaet" kursieren, platzen lassen. Sie sind die ersten Jungs der Schule. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung wollen sie vielleicht ein Restaurant eroeffnen. Und sie wissen genau: Alle Muchachos von Loma Plata bis Rosental beneiden sie insgeheim, weil sie von vielen netten Maedchen umschwaermt werden.

Die Macht des Wassers. - Der Regierungschef einer mennonitischen Colonia heisst nach altpreussischer Tradition Oberschulze. Aber die Maenner (bisher leider noch nie eine Frau), die heutzutage dieses Amt bekleiden, sind weder altbacken noch rueckwaertsgewandt. "Wer den Wasserhahn in der Hand haelt, der hat die Macht in den Haenden" - sagt Edwin Reimer, Oberschulze von Neuland. Trotz der Trockenperiode bleibt er optimistisch, denn er sieht viele Moeglichkeiten den Wassermangel in der Zukunft zu beheben: ein Aequadukt vom Paraguay-Fluss zu den Siedlungen, die Installation von Entsalzungsanlagen oder das Bohren von
Tiefbrunnen. Ohne Wahlwerbung betreiben zu wollen, koennen wir eines sagen: Dieser Oberschulze hat einiges auf dem Kasten.

Sprachen lernen! - Ueber das Zusammenleben von weissen Siedlern und Ureinwohnern macht sich Anthropologe Wilmar Stahl Gedanken. Er sagt: So lange die einen die Sprache der anderen nicht beherrschen, kann es zu keiner vernuenftigen Kommunikation kommen. Ausserdem muss jeweils die Kultur des anderen respektiert werden. Ein wenig erinnert seine Rede auch an die Thesen des Migrationsbeauftragten von Herne.

"Ich bin ein Enhlet." - Hannes Kalisch hat die Welt der Weissen verlassen und lebt jetzt schon seit einigen Jahren bei den Enhlet - mit allen Konsequenzen. Kalisch und seine Mitarbeiter zeichnen die Geschichten vornehmlich der alten Frauen und Maenner des Stammes auf und veroeffentlichen sie. Versteht sich von selbst, dass der Deutschstaemmige akzentfrei Enhlet spricht. Die spannende Geschichte dieses Experiments wird, wie wir heute glauben, eines der Highlights unseres Buches sein.